regeln

Hier findet sich eine Zusammenfassung der wesentlichen für den Betrieb von Freizeitfahrzeugen geltenden Regeln im Straßenverkehr; dabei werden nur Fahrzeuge bis zu einer zulässigen Gesamtmasse (zGM) bis 7,5 t betrachtet.

Die genannten Bestimmungen gelten nur innerhalb Deutschlands, in anderen Ländern gelten unter Umständen andere, und auch gleich aussehende Verkehrsschilder können eine andere Bedeutung haben; ein Beispiel hierfür ist das Überholverbot für schwere Fahrzeuge, das sich in Frankreich nur auf gewerblich genutzte Fahrzeuge zum Gütertransport bezieht.

Diese Zusammenstellung richtet sich nach der Zulassungsart des Fahrzeuges, also danach, ob es (nach der Zulassungsbescheinigung) tatsächlich als Wohnmobil anzusehen ist.

  • ein Wohnmobil bis 3,5 t ist kein PKW
  • ein Wohnmobil über 3,5 t ist kein LKW

Die Versicherer der Kfz-Versicherung (Näheres bei camper.help) versichern ganz überwiegend das Fahrzeug nach der Zulassung; ein nicht zum Wohnmobil umgeschriebener LKW wird also als solcher versichert, bei „rein privater Nutzung“ u. U. allerdings günstiger.

Die Gewichtsgrenzen sind entgegen einem weitverbreiteten Irrtum nicht exklusiv, sondern inklusiv; das Fahrzeug „bis 3,5 t“ darf also eine zGM von genau 3.500 kg haben, nicht nur 3.499.

Die notwendigen Informationen ergeben sich überwiegend aus der Zulassungsbescheinigung (ZB II); die zGM steht in F.2 der ZB, die Fahrzeugart in Feld 5 (früher 4 und 5); danach ist ein Wohnmobil meist ein Fahrzeug zur Personenbeförderung / Wohnmobil und gehört zur EU-Fahrzeugklasse M1 (Feld J der ZB) mit der Aufbauart SA (Feld 4). Frühere Bezeichnungen „So.-Kfz“ für „Sonstiges Kfz“ gibt es bei neuen Typgenehmigungen und Zulassungen nicht mehr, und auch der Zusatz „bis/mehr als 2,8 t“ ist obsolet geworden, der hatte seinerzeit steuerliche Gründe.

Die zulässige Anhängelast steht in O.1 bzw. O.2; sie sagt aus, dass ein Anhänger mit diesem Gewicht mit dem Fahrzeug gezogen werden darf, die persönlichen Voraussetzungen für das Mitführen eines Anhängers (Fahrerlaubnis) müssen darüber hinaus erfüllt sein.

Fahrerlaubnis

Der Begriff „Führerschein“ bezeichnet eigentlich nur das Dokument (aus Papier, in grau oder rosa, oder als Plastikkarte). Wird man bei einer Kontrolle ohne Führerschein angetroffen, also hat das Dokument nicht bei sich, kostet das ein Verwarnungsgeld, hat man hingegen keine Fahrerlaubnis, ist das eine Straftat.

Die Fahrerlaubnisklassen gelten auch für alte Führerscheine (z. B. „der alte Dreier“); auch, wer einen solchen alten Führerschein noch besitzt, hat nur Fahrerlaubnisse nach den neuen FE-Klassen; welche das sind, richtet sich nach dem Zeitpunkt des Erwerbs und dem Ort (alte Bundesrepublik oder ehem. DDR). Näheres ist geregelt in § 6 (6) FeV und den entsprechenden Anlagen, aus denen auch die besitzstandswahrenden Regelungen hervorgehen. Im Übrigen müssen ältere Führerscheine innerhalb bestimmter Fristen umgetauscht werden. Das gilt auch für unbefristet erteilte Kartenführerscheine.

Seit dem 1. Januar 1999 neu erteilte Fahrerlaubnisse der Klassen C, C1, CE und C1E sind auf 5 Jahre befristet. Für die Verlängerung benötigt man ein ärztliches und ein augenärztliches Zeugnis.

Die Bezeichnungen „PKW-Führerschein“, „LKW-Führerschein“ usw. finden sich nicht in der FeV, sie sind falsch und führen zu irrigen Schlußfolgerungen; die Fahrerlaubnis setzt fast immer auf die zGM des Fahrzeuges ab, und auch auf die Fahrzeugklasse (z. B. M1) (die nicht mit der Fahrerlaubnisklasse verwechselt werden darf) sowie die Aufbauart (Wohnmobil).

FE-Klasse
Wohnmobile/PKW bis 3,5 t zGM (+ Hänger bis 750 kg zGM)B
Wohnmobile/PKW + Hänger >750 kg, zGM der Kombination bis 3,5 tB
Wohnmobile/PKW bis 3,5 t + Hänger >750 kg, zGM der Kombination bis 4,25 tB96
Wohnmobile/PKW bis 3,5 t + Hänger >750 kg/bis 3,5 tBE
Wohnmobile/LKW > 3,5 t bis 7,5 t (+ Hänger bis 750 kg zGM) D1/C1
– mit Hänger >750 kg zGM:D1E/C1E
PKW > 3,5 t bis 7,5 t (+ Hänger bis 750 kg zGM) D1
– mit Hänger > 750 kg zGMD1E
Regelung ab 2013 bei Neuerteilung; Übergangs- und Besitzstandsregeln sind nicht berücksichtigt

Geschwindigkeit

außerorts auf Autobahnen und ähnlichen Straßenmax.
Wohnmobil oder PKW bis 3,5 t zGM(130) [R]
– bis 3,5 t mit Anhänger80
– bis 3,5 t mit Anhänger, sofern die technischen und Gewichtsvoraussetzungen der 9. Ausnahmeverordnung zur StVO erfüllt sind  „100er-Zulassung für Anhänger“100
Wohnmobil > 3,5 t zGM (bis 7,5 t) (12. Ausnahmeverordnung zur StVO)100
außerorts ansonstenmax.
Wohnmobile bis 3,5 t zGM100
– bis 3,5 t mit Anhänger80
PKW mit Anhänger80
Wohnmobile > 3,5 t zGM bis 7,5 t80
– > 3,5 t mit Anhänger60

Innerorts dürfen Fahrzeuge > 3,5 t außerdem auf Straßen, wo mit Rad- oder Fußgängerverkehr gerechnet werden muss, nur mit Schrittgeschwindigkeit rechts abbiegen.

Zu der Frage, wie schnell ein Wohnmobil über mit Hänger auf Autobahnen fahren darf, ist zunächst die StVO heranzuziehen. § 18 Abs. 5 Satz 2 Nr. 1 der StVO regelt im Grundsatz, dass u. a.

a) Fahrzeuge über 3,5t bis 7,5 t, also auch Wohnmobile
b) … Wohnmobile mit Anhänger …
c) … Busse …

maximal 80 km/h fahren dürfen.

Somit dürfen zunächst alle Wohnmobile mit Anhänger, egal ob bis oder über 3,5t, maximal 80 km/h fahren.

Hierzu gibt es jedoch zwei Spezialregelungen in Form von Ausnahmeverordnungen:

Die 12. Ausnahmeverordnung zur StVO nimmt Wohnmobile über 3,5 t bis 7,5 t von der Regelung der Nr. 1 dergestalt aus, dass sie 100 fahren dürfen. Der Text der 12. Ausnahmeverordnung schränkt deren Geltungsbereich nicht weiter auf einen der Buchstaben a) – c) der Nr. 1 des § 18 (5) Satz 2 ein, sondern bezieht sich auf die Nr. 1 insgesamt. Systematisch passt dies zu anderen Vorschriften der StVO, zum Beispiel der Regelung zu Zeichen 277 (Überholverbot – siehe weiter unten auf dieser Seite). Hier wird zunächst ein generelles Überholverbot für Fahrzeuge mit einer Gesamtzugmasse über 3,5t einschließlich ihrer Anhänger definiert, alsdann werden PKW als Fahrzeugart vollständig von dieser Regelung ausgenommen, ohne dass in dieser Ausnahme der Tatbestand „Anhänger“ nochmals gesondert erwähnt wird. Die entsprechenden Regelungen stellen mithin einen ausschließlich auf die Fahrzeugart des Zugfahrzeuges abstellenden Ausnahmebestand dar.

Die 9. Ausnahmeverordnung zur StVO trifft besondere, strengere Regelungen für Fahrzeuge bis 3,5 t und definiert technische Bedingungen, unter denen diese einen Anhänger mit Tempo 100 ziehen dürfen; diese Regelungen gelten auch für Wohnmobile bis 3,5 t, mit dem Ergebnis, dass diese nur unter den genannten Bedingungen mit Hänger 100 fahren dürfen.

Überholverbot

Das Überholverbot für Fahrzeuge über 3,5 t (Zeichen 277) regelt das Überholen wie folgt:

PKW mit Anhänger dürfen überholen, Wohnmobile jedoch nur, wenn die zGM des Fahrzeuges oder die der Kombination nicht schwerer als 3,5 t ist (also zGM des Zugfahrzeugs und zGM des Anhängers werden addiert), ansonsten ist das Überholen verboten.

Parken

Innerorts müssen haltende Wohnmobile > 3,5 t im Dunkeln durch Parkleuchte oder Warntafel gesichert werden.

Wohnmobile bis 7,5 t dürfen grundsätzlich dort Parken, wo es erlaubt ist; ist ein Parkplatz mit dem Zusatzzeichen „nur für PKW“ (Zusatzzeichen 1010-58) gekennzeichnet, darf ein Wohnmobil unabhängig von der zGM dort nicht stehen.

Das Zeichen Gehwegparken (Zeichen 315) bezieht sich hingegen nicht auf die Fahrzeugart, sondern nur auf die zGM, das heißt, ein Wohnmobil bis 2,8 t darf dort parken, Fahrzeuge mit einer höheren zGM nicht, egal, ob LKW, PKW oder Wohnmobil.

Übernachten

Öffentliche Verkehrsflächen (dazu gehören auch öffentliche Parkplätze) sind dem sogenannten Gemeingebrauch gewidmet und dürfen nur in dessen Rahmen benutzt werden; die Nutzung dieser Flächen zum Zwecke des Übernachtens wird als Überschreitung des Gemeingebrauchs angesehen und ist somit nicht erlaubt, das einmalige Zwischenübernachten (Nutzung der Campingausstattung nur im Fahrzeug) zur Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit jedoch zulässig; da dies sich nur auf öffentliche (dem Verkehr gewidmete) Flächen bezieht, hat es keine Relevanz bei Verstößen gegen sonstige Rechtsvorschriften, also zum Beispiel Regelungen des Naturschutzes oder des Gesundheitsschutzes; so ist es nicht erlaubt, im Naturschutzgebiet auf einem Parkplatz zu übernachten, auch wenn mit der Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit argumentiert wird.

Weiteres über 3,5 t

  • Hauptuntersuchung für Wohnmobile >3,5 t alle zwei Jahre, ab dem 7. Jahr jährlich [die im Rahmen der HU bisher vorzulegende Bescheinigung über die Gasprüfung alle zwei Jahre (Dichtigkeit, Funktion und Alter der Komponenten) wird vorübergehend nicht mehr gefordert, eine Neuregelung in Form einer von der HU unabhängigen Prüfpflicht ist in Arbeit. Betreiber von Campingplätzen können natürlich trotzdem eine solche Bescheinigung verlangen]
  • VZ 273 StVO (Mindestabstand) ist zu beachten
  • VZ 253 „Verbot für Kraftfahrzeuge über 3,5 t“ ist zu beachten
  • Warnleuchte ist mitzuführen
  • Unterlegkeile vorgeschrieben ab 4 t zGM

weiterführende Links